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VanessaRossi
24 December 2009 @ 12:13 am
Titel: Erkenntnis
Autorin: VanessaRossi
Wichtel: [info]xbittersweet89x
Rating: PG 13
Pairing: Rossi/Hotch
Warning: ein paar kleinere Spoiler für die 5. Staffel sind drin
Diclaimer: Mir gehören leider weder CM noch die Charaktere :-(


Regungslos saß er auf der Couch im Wohnzimmer, in der einen Hand ein Glas Scotch, die andere zur Faust geballt in einem Kissen begraben, und starrte in die Dunkelheit des Raumes. Es ging bereits auf Mitternacht zu, aber wenn man ihn gefragt hätte, wie lange er schon so da saß, er hätte es nicht beantworten können.
Jack lag seit Stunden schlafend im Bett, er war glücklicherweise heute so müde gewesen, dass er ohne Gute-Nacht-Geschichte sofort einschlief. Hotch war mit seinen Gedanken so weit weg, dass er seinem Sohn gerade noch den obligatorischen Gute-Nacht-Kuss auf die Stirn drücken konnte, ansonsten aber nicht in der Lage war ihm seine ganze Aufmerksamkeit zu schenken.
Und das alles wegen eines Kusses! Der Moment an dem sich ihre Lippen berührten war das einzige, das ihm nun schon den ganzen Abend durch den Kopf ging. Er hatte so ein Chaos in seinem Verstand ausgelöst, dass er nicht mehr klar denken konnte. Seit Stunden versuchte er seine Gedanken zu ordnen, zu verstehen, was passiert war, aber alles führte ihn immer nur wieder zurück zu dem Punkt, an dem er die Lippen seines besten Freundes auf den seinen spürte. Was ihn am meisten verwirrte, war die Tatsache, dass es sich so unglaublich gut angefühlt hatte. Anders sicherlich, wegen dem stoppeligen Bart, der dabei in seinem Gesicht kitzelte, aber dennoch gut.
Hotch war so tief in seine Gedanken versunken, dass er das Klopfen an der Wohnungstür zunächst überhaupt nicht wahrnahm. Erst als es lauter und drängender wurde, riss es ihn aus seiner Starre. Er stand auf und tappte im Dunkeln hinüber zur Tür und warf einen Blick durch den Spion. Davor stand, im gedämpften Licht des Flures, der Grund für seinen aktuellen Zustand: David Rossi. Innerlich aufstöhnend machte er sich daran die Wohnungstür zu öffnen, bevor Rossi mit seinem Gepolter noch alle Nachbarn aufweckte.
„Wir müssen reden“, war das erste, was er von ihm zu hören bekam. Ohne zu zögern trat Rossi ein und bediente als erstes den Lichtschalter. Ein Blick ins Wohnzimmer, wo auf dem Tisch das Glas Scotch stand, und auf Hotch, der immer noch die gleichen Klamotten trug, wie den ganzen Tag über im Büro, ließ ihn erahnen, was sein Freund in den letzten Stunden gemacht haben muss.
„Herrgott, Aaron, hast du etwa den ganzen Abend hier im Dunkeln gesessen?“
Er wartete Hotchs Antwort gar nicht erst ab, sondern ging direkt zu dessen Minibar, um sich selbst ein Glas Scotch einzuschenken. Hotch stand währenddessen wie angewurzelt im Flur und starrte ihn fassungslos an. Nach einer Weile kam er zur Besinnung, schloss die Tür und gesellte sich zu Rossi, der sich mittlerweile auf dem Sofa niedergelassen hatte.
„Was willst du, Dave?“, fragte er ihn schließlich, ruppiger als er es eigentlich beabsichtigt hatte, obwohl er genau wusste, weshalb Rossi hier war.
„Mit dir reden, wie ich schon gesagt habe.“
Hotch begann nervös im Raum herum zu laufen, was normalerweise überhaupt nicht seine Art war. In aller Regel brachte ihn nichts aus der Ruhe, Dave schon gleich gar nicht, er war im Gegenteil immer jemand gewesen, der ihn durch seine Anwesenheit noch zusätzlich besänftigen konnte. Aber mit diesem unerwarteten Kuss am Nachmittag hatte er ihn völlig überrumpelt und aus dem Gleichgewicht gebracht. Auf einmal stürzten alle verdrängten Gefühle, die er für Dave hatte, die er sich bisher partout nicht eingestehen wollte, auf ihn ein.
Sie waren beide im Begriff gewesen nach Hause zu gehen, waren gemeinsam in den Aufzug gestiegen, um nach unten in die Parkgarage zu fahren, als Rossi ihn urplötzlich in eine Ecke der Aufzugkabine drückte und seine Lippen auf ihn presste. Hotch war viel zu überrascht gewesen um zu protestieren, und nachdem der anfängliche Schreck verflogen war und er gemerkt hatte, wie angenehm und warm es sich anfühlte, gab er sich ganz Rossis Kuss hin und erwiderte ihn sogar. Als sich unten angekommen die Türen schließlich mit einem lauten „ding“ öffneten, fuhren sie beide wie von der Tarantel gestochen auseinander. Die überraschende Enttäuschung über das Ende des Kusses wurde bei Hotch schnell von jener Verwirrung verdrängt, die ihn nun den gesamten Abend nicht mehr losgelassen hatte. Sie waren anschließend beide wortlos aus dem Aufzug gestiegen und nach Hause gefahren und Hotch dachte zuerst für eine Weile, dass er sich das Ganze nur eingebildet hatte. Dave's Geschmack in seinem Mund, der auch nach so vielen Stunden und trotz des Whiskeys immer noch nachwirkte, ließ ihn aber schnell klar werden, dass es kein Traum gewesen war.
Und nun saß Rossi in seinem Wohnzimmer und Hotch hatte plötzlich keine Ahnung mehr, wie er sich diesem Mann, dem er blind vertraute und in dessen Anwesenheit er noch nie unsicher war, gegenüber verhalten sollte.
„Aaron“, begann Dave wieder, „würdest du dich bitte setzen? Du machst mich nervös!“
„Ich mache dich nervös?“, Aaron schrie beinahe, aber dann fiel ihm ein, dass Jack ja nebenan schlief und er fuhr leiser fort: „Ich bin nicht derjenige, der das Ganze angefangen hat.“
„Wenn du jetzt eine Entschuldigung erwartest, muss ich dich enttäuschen. Deswegen bin ich nicht hier.“
„So? Weswegen dann?“, Aaron tigerte immer noch im Zimmer auf und ab.
„Herrgott, jetzt setz' dich endlich! Ich möchte vernünftig mit dir reden“, brach es aus Rossi heraus. Hotch sah ihn durchdringend an, nahm dann aber ihm gegenüber in einem Sessel Platz und wartete darauf, was er ihm zu sagen hatte.
„Aaron, ich bin nicht hier um mich zu entschuldigen.“
„Das sagtest du bereits.“
„Es tut mir nämlich nicht leid, was passiert ist.“
Hotch senkte seinen Kopf und stierte auf den Boden.
„Bitte, Aaron, sieh mich an.“ Als er nicht sofort reagierte, stand Rossi auf, ging zu ihm hinüber und setzte sich auf die Lehne von Aarons Sessel. Überrascht schaute Hotch ihn an und sah den gleichen entschlossenen Blick in seinen Augen, den er schon im Aufzug, Sekunden vor dem Kuss gesehen hatte.
„Dave...“, schoss es warnend aus seinem Mund heraus, jedoch ohne Erfolg. Rossi ließ ihn nicht einmal ausreden, sondern beugte sich zu ihm hinunter und küsste ihn erneut, mit ebenso viel Leidenschaft wie am Nachmittag. Er wollte protestieren, Dave von sich schieben, aber irgendetwas in ihm hinderte ihn daran. Das warme, wohlige Gefühl vom ersten Mal war wieder da, und es überwältigte ihn wieder, noch bevor er dazu kam sich zu wehren. Der Kuss wurde hungriger und fordernder von beiden, und Rossi sank von seiner sitzenden Position auf der Armlehne weiter in den Sessel hinein, bis er fast komplett über Hotch lag. Nach einigen Minuten war es das Bedürfnis nach Luft zu schnappen, das beide dazu brachte, voneinander abzulassen.
„Dave“, stieß Hotch schwer atmend hervor, „ich dachte wir wollten reden.“
Nur widerwillig stand Rossi auf, und Hotch fühlte, sobald der Körperkontakt weg war, dass ihm etwas fehlte. Es war eine Emotion, die er so überhaupt nicht kannte. Selbst mit Haley hatte er es nicht gefühlt. Er erhob sich ebenfalls aus seinem Sessel und ging zu Rossi hinüber, der am Fenster stand und in die Dunkelheit hinausblickte. Die warme, einnehmende Präsenz seines Freundes zog ihn wie einen Magneten an.
„Aaron, ich weiß, es mag überraschend kommen, aber ich kann es nicht ändern. Ich musste es einfach tun, bevor es zu spät ist“, fing Dave nach einer Weile wieder an. Verwirrt musterte Hotch ihn. „Was genau meinst du damit?“, fragte er ihn.
„Ich habe das Gefühl mir rennt die Zeit davon. Es kann alles so schnell vorbei sein, keiner von uns weiß, wie viel Zeit ihm noch bleibt und ich möchte nicht den Rest meines Lebens damit verbringen, über einen weiteren Menschen nachzudenken und mich zu fragen 'was wäre wenn', verstehst du? Ich habe einmal den Fehler gemacht, es der Person, die ich geliebt habe, nicht zu sagen, und ich habe es seitdem bereut. Ich wollte diesen Fehler nicht noch einmal machen.“
Aaron nickte. Er wusste genau, wovon Dave sprach, hatte er ihm doch alles über seine verpassten Chancen mit Emma Schuller erzählt. Und plötzlich verstand er auch, was sich im Laufe der zwei Jahre seit Rossis Rückkehr zur BAU zwischen ihnen entwickelt hatte. Er hatte schon länger das Gefühl gehabt, dass da mehr war, als nur reine Freundschaft, hatte sich oft eingebildet, dass Rossi ihn beobachtete, wenn er gerade nicht hinsah und er hatte es genauso gemacht. Und immer wieder hatte er sich eingeredet, dass es nichts bedeutete. Nun war es endlich an der Zeit sich einzugestehen, dass er falsch lag. Auch die Verwirrung, die er darüber verspürte, sich plötzlich zu einem Mann hingezogen zu fühlen, war auf einmal weg und spielte keine Rolle mehr. Was zählte war, was zwischen ihnen beiden war.
Sie standen eine Weile schweigend am Fenster, bis Aaron plötzlich Daves Hand nahm und leise wieder anfing zu reden.
„Ich hoffe du bist dir im Klaren, worauf du dich mit mir einlässt.“
„Glasklar, Aaron.“
„Ich mein das ernst. Bei allem was kommt, wird Jack bei mir immer an erster Stelle stehen.“
„Das würde ich auch nicht anders wollen. Aber auch du hast ein Recht darauf, wieder glücklich zu werden, nach allem was in den letzten Monaten geschehen ist.“
„Das Team wird ganz schön überrascht sein, wenn sie es erfahren.“
„Vielleicht. Aber ich bin mir sicher, sie werden uns unterstützen.“
Wieder schwiegen sie einige Momente, bis Rossi meinte: „Es ist schon spät, ich sollte jetzt vielleicht besser nach Hause gehen.“
„Wäre es okay für dich, heute Nacht hier zu bleiben? Ich würde gerne morgen früh aufwachen und mich nicht fragen müssen, ob ich das Ganze nur geträumt habe.“
„Sicher. Wenn das in Ordnung geht mit Jack?“
„Warum nicht? Er kennt dich ja.“
Sie gingen wieder zurück zur Couch und tranken schweigend in angenehmer Zweisamkeit ihren Scotch aus, den sie noch in ihren Gläsern hatten, bevor sie gemeinsam in Aarons Schlafzimmer verschwanden.
 
 
Current Mood: tiredtired
Current Music: Christmas Time - Hanson